05.10.2026, 20:01 Uhr · Leserbriefe · Reiner Heublein
Leserbrief: Die Einzigartigkeit des
Pfefferländer Weges
Foto: Heublein/Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer KulturbesitzDen Namen „Pfefferländer“ finden wir zum ersten Mal in der Flurbezeichnung „Peper Laender“ (siehe preußisches Urmeßtischblatt 1839-42), auch später in neueren Flurkarten „Der Pfefferländer“ genannt. Woher der Name genau kam, ist nicht mehr nachvollziehbar.
Zu bemerken ist, dass diese Urmesstischblätter zu ihrer Entstehungszeit nicht veröffentlicht wurden und als Unikate im Preußischen Archiv blieben. Wie auch schon bei noch älteren Urmeßtischblättern, fand die Kartierung durch junge Stabsoffiziere unter großem Zeitdruck statt, dennoch zeigen die Karten viele Details der historischen Kulturlandschaft um die Mitte des 19. Jahrhunderts, auch Flurnamen wurden einbezogen.
Die Definition des Namens Peper, Pepper = Pfeffer, findet man begrifflich beim Pfefferhändler bzw. beim Gewürzkrämer. Laender könnte von dem althochdeutschen lant abgeleitet sein, was heute in unserer Sprache Land bedeutet.
Früher bezeichnete man Natur- und Flächengebiete oft mit Namen, um sie urkundlich bei eventuellen Flächenkäufen oder Gebietsbestimmungen besser eingrenzen zu können. Man darf auch nicht vergessen, dass im Laufe der Jahrhunderte sich auch der Name durch die Schreibweise und Übertragung in neue Dokumente änderte. So entstand auch der Name „Der Pfefferländer“. In dieser Flur befindet sich auch der Pfefferländer Weg.
Gesichert gilt, dass schon in der Jungbronzezeit eine Besiedlung am „Pfefferländer“ stattgefunden hat. 1930 wurde eine Bronzeaxt nahe des Pfefferländer Weges gefunden und Jahre später eine nackengebogene Streitaxt aus graugrünem Diorit. Östlich des Pfefferländer Weges und nördlich am Schmöllner Weg fand man bei Ausgrabungen drei Gräberfelder. Sie dokumentieren neben noch anderen Gräberfeldern auf der Eigenen Scholle eine intensive Besiedlung während der jüngeren Bronzezeit.
Im Jahr 2024 wurde im Bereich des Pfefferländer Weges Glasfaserkabel verlegt. Bei begleitenden Arbeiten stießen die hinzugezogenen Archäologen vor der Parzelle Pfefferländer Weg 1 am 02.09.2024 auf Leichenbrandstückchen und ein Keramikgefäß, was man später nach der Untersuchung als eine Urne identifizierte, die aus der Jungbronzezeit stammte. Da die Dorflage des wüsten Schmölln im Bereich der alten Planemündung nicht genau zu verorten ist, dürfte auch im Bereich der historischen Kulturlandschaft „Der Pfefferländer“ stellenweise einst eine Besiedlung stattgefunden haben. Der Ort soll auch in der Eisenzeit besiedelt gewesen sein. Funde belegen eine slawische und frühdeutsche Dorflage von Schmölln im 9.-12. Jahrhundert, bzw. 13.-14. Jahrhundert.
Eine geologische Karte aus dem Jahr 1891 zeigt im Bereich des Pfefferländer Weges noch ein unbebautes Gebiet.
Um 1930 rückte „Der Pfefferländer“ wieder in den Fokus für eine Wohnnutzung. Während der Zeit des nationalsozialistischen Siedlungsbaus versuchte man den zusätzlichen Bedarf an Wohnraum, der durch die Rüstungsindustrie entstand, über mehrere Wege zu lösen. Da die Innenstadt den Bedarf an Wohnflächen nur bedingt abdecken konnte, waren den Stadtoberen alle Mittel recht, individuellen Wohnraum auch in Form von Wohnlauben zu schaffen. Hauptsache, diese Wohnlauben befanden sich abseits der Kernstadt. Das Gebiet um den Pfefferländer bot dazu sehr gute Voraussetzungen. Im Adressbuch der Stadt von 1938/39 finden wir zum ersten Mal den Pfefferländer Weg mit 3 Adressen für Wohnlauben.
Unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg wurde am 13. November 1945 parallel zur Ziesarer Landstraße und mit Eingang Pfefferländer Weg auf städtischem Boden die Kleingartenanlage Frohsinn, die heute über 51 Parzellen verfügt, gegründet. Es entstanden recht schnell Hütten aus Holz und Blech. Auf den 450 bis 500 Quadratmeter großen Gärten hatten Obst- und Gemüseanbau Vorrang, um sich in der kargen Nachkriegszeit etwas besser mit Nahrungsmitteln versorgen zu können. Die Gartenfreunde kamen damals mit Fahrrad oder Handwagen zu ihren Parzellen. Erst 1959/60 erhielten die Kleingärten Strom.
Im Pfefferländer Weg ist gegenwärtig der Kleingartenverein Grüne Ecke e.V. mit 50 Parzellen ansässig.
Von den vorhandenen 32 Gebäuden im Pfefferländer Weg sind 8 Wohnhäuser.
Den Straßennamen Pfefferländer Weg gibt es außer in Brandenburg an der Havel in keinem anderen Ort bzw. keiner anderen Stadt in Deutschland. Der Straßenname Pfefferländer Weg in Brandenburg an der Havel ist somit einzigartig in Deutschland.
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Foto: Heublein/Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz




